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Statistisch betrachtet: Inklusiv unterrichtete Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Letzte Aktualisierung: 10.06.2021

Vorbemerkungen

Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf sollen, soweit wie möglich, gemeinsam mit Kindern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf die Schule besuchen können. Viele sächsische Schulen haben dafür die Voraussetzungen geschaffen. Je nach Art und Schwere der Beeinträchtigung sollen eine behindertengerechte Ausstattung, zusätzliche Betreuungsleistungen und entsprechend qualifizierte Fachkräfte die Integration unterstützen.

Auf der Basis der Ergebnisse der Statistik der allgemeinbildenden Schulen (Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien, Förderschulen) werden Entwicklungen im Bereich des sonderpädagogischen Förderbedarfes in Sachsen aufgezeigt.

Rechtliche Grundlagen

Schulische Inklusion in Sachsen (Weiterleitung zu www.inklusion.bildung.sachsen.de)

Entwicklung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Im Schuljahr 2020/2021 werden an den allgemeinbildenden Schulen im Freistaat Sachsen insgesamt 30 225 Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet, davon 30 049 Schülerinnen und Schüler im Primarbereich und Sekundarbereich I und 176 im Sekundarbereich II. Die Mehrzahl dieser Schülerinnen und Schüler (64 Prozent) besuchen eine allgemeinbildende Förderschule. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/2012 stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sachsen um 21,8 Prozent bzw. 5 405 Schülerinnen und Schüler.

Auswahl der Schule bei festgestelltem Förderbedarf

Wird bei schulpflichtigen Kindern ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt, besteht die Möglichkeit der  Förderung in einer allgemeinbildenden Förderschule oder durch schulische Integration in der Grund-, Oberschule, im Gymnasium oder an einer Freien Waldorfschule.

Zahl der Einzelintegrationen gestiegen

Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung der Schülerzahl an Förderschulen und der Zahl der Einzelintegrationen seit 2011. Die Schülerzahl an Förderschulen ist etwa gleich geblieben, die Zahl der Einzelintegrationen hat sich fast verdoppelt.

10 995 Schülerinnen und Schüler (einschließlich Sekundarbereich II) werden im Schuljahr 2020/2021 an einer allgemeinbildenden Schule integrativ unterrichtet. Davon besucht fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine Grundschule (5 163 Schülerinnen und Schüler), 42,5 Prozent lernen an einer Oberschule (4 674 Schülerinnen und Schüler) und 9,1 Prozent am Gymnasium (1 000 Schülerinnen und Schüler). 158 Schülerinnen und Schüler werden an einer Freien Waldorfschule unterrichtet.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Einzelintegrationen fast verdoppelt, während die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Förderschulen nach einem Rückgang bis zum Schuljahr 2013/2014 in den letzten Jahren wieder leicht gestiegen ist.

Integrativer Unterricht

Das sächsische Schulsystem sieht für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf unter bestimmten Voraussetzungen integrativen Unterricht an einer Regelschule vor. Immer mehr Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf  sollen gemeinsam und voneinander lernen.

Regionale Unterschiede bei der Förderquote

Die Karte des Freistaates Sachsen, zeigt die Förderquote von Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie die Besuchsquote für Einzelintegration und die Förderschulbesuchsquote im Schuljahr 2020/2021 nach Landkreisen und kreisfreien Städten.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Primar- und Sekundarbereich I  an allen Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden Schulen (=Förderquote) ist in den letzten zehn Jahren in Sachsen annähernd gleich geblieben (8 Prozent). Es  treten jedoch regionale Unterschiede auf. Die höchste Förderquote liegt im Schuljahr 2020/2021 mit 12,6 Prozent in der Kreisfreien Stadt Chemnitz. Die niedrigste Förderquote im Erzgebirgskreis ist mit 6,0 Prozent nur halb so hoch.

Den höchsten Rückgang bei der Schülerzahl an Förderschulen gegenüber dem Schuljahr 2011/2012 verzeichnet der Landkreis Nordsachsen mit 6,4 Prozent. Im Landkreis Nordsachsen hat sich gleichzeitig die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Einzelintegrationen an allgemeinbildenden Schulen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Darüber hinaus ist die Besuchsquote für Einzelintegrationen im Landkreis Nordsachsen von 2,8 Prozent auf 5,4 Prozent gestiegen. (Die Besuchsquote für die Einzelintegration ist der Quotient aus der Zahl der Einzelintegrationen und der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler im Primar- und Sekundarbereich I.)

Der Landkreis Zwickau hat im Schuljahr 2020/2021 7,5 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler an Förderschulen als im Schuljahr 2011/2012. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/2012 ist die Förderschulbesuchsquote in Zwickau gleich geblieben (5,5 Prozent). (Die Förderschulbesuchsquote ist der Quotient aus der Zahl der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen und der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler im Primar- und Sekundarbereich I.) Die Besuchsquote für Einzelintegrationen ist in den letzten zehn Jahren um 1,7 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent gestiegen.

Den größten Zuwachs der Einzelintegrationen an den allgemeinbildenden Schulen verzeichnete die Kreisfreie Stadt Leipzig. Hier haben sich die Zahlen in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Besuchsquote für Einzelintegrationen ist im Zeitraum vom Schuljahr 2011/2012 bis zum Schuljahr 2020/2021 von 2,8 Prozent auf 4,4 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist in der Kreisfreien Stadt Leipzig die Förderschulbesuchsquote um 1,9 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent zurückgegangen.

Lediglich in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen liegt die Besuchsquote für Einzelintegrationen an Regelschulen über der Förderschulbesuchsquote.

Schulanfängerinnen und Schulanfänger

Das Säulendiagramm zeigt die Entwicklung der Zahl der Schulanfängerinnen und Schulanfänger nach der Art der Einschulung. Die Zahl der Einschulungen nach Zurückstellung hat sich seit 2011 um 12 Prozentpunkte erhöht.

2020 wurden in Sachsen insgesamt 37 597 Schülerinnen und Schüler eingeschult. Der überwiegende Teil der Schulanfängerinnen und Schulanfänger (96,1 Prozent) erhielt die Zuckertüte an einer Grundschule. Für 1 219 ABC-Schützen (3,2 Prozent) begann der Unterricht an einer Förderschule. 261 Kinder (0,7 Prozent) wurden an einer Freien Waldorfschule eingeschult. Diese Anteile haben sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert. Die Zahl der Schulanfängerinnen und Schulanfänger stieg 2020 im Vergleich zu 2019 an Grundschulen um 2,8 und im Vergleich zu 2011 um 16,3 Prozent. An den Förderschulen war die Anzahl der Schulanfängerinnen und Schulanfänger hingegen rückläufig. Gegenüber dem Vorjahr waren es hier 6,8 Prozent und im Vergleich zu 2011 0,9 Prozent weniger Einschulungen.

91,7 Prozent der Kinder wurden im Schuljahr 2020/2021 fristgemäß eingeschult, 8,2 Prozent der Schulanfängerinnen und Schulanfänger nach einer Zurückstellung. Insgesamt wurden im Schuljahr 2020/2021 3 073 Kinder nach Zurückstellung eingeschult. Bei den Direkteinschulungen an Förderschulen lag 2020 der Anteil der nach Zurückstellung eingeschulten Kinder bei 41,3 Prozent (503 Schulanfängerinnen und Schulanfänger). Somit wurde jede sechste Schulanfängerin bzw. jeder sechste Schulanfänger mit Zurückstellung an einer Förderschule eingeschult.

Rechtliche Grundlagen

Alle Schulanfängerinnen und Schulanfänger müssen zunächst an einer Grundschule angemeldet werden, unabhängig davon, ob eventuell der Besuch einer Förderschule in Betracht kommt oder nicht. Wenn bei der Schulaufnahmeuntersuchung eingeschätzt wird, dass eine Notwendigkeit der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs des Kindes besteht, werden die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Im Ergebnis des Verfahrens entscheidet die Schulaufsichtsbehörde über die Pflicht zum Besuch der Förderschule.

Weitergehende Informationen finden Sie im Abschnitt 2 der Schulordnung Förderschulen (SOFS).

Wechsel zwischen Förderschule und anderen Schularten

Im Schuljahr 2020/2021 wechselten von der Förderschule an eine Grundschule 85 Schülerinnen und Schüler, an eine Oberschule 273 und an ein Gymnasium 16 Schülerinnen und Schüler. Im Vergleich zu 2011/2012 waren das insgesamt 88 Schülerinnen und Schüler (23,5 Prozent) mehr. Wesentlich mehr Schülerinnen und Schüler wechselten aber von einer Grund- oder Oberschule an eine Förderschule. Im Schuljahr 2020/2021 gab es an den Förderschulen 778 Schülerinnen und Schüler, die im Jahr zuvor an einer Grundschule unterrichtet wurden, 111 kamen von der Oberschule. Im Schuljahr 2011/2012 betraf das 757 Wechsel von der Grund- und 122 von der Oberschule.

Rechtliche Grundlagen

Lässt die Entwicklung einer Schülerin oder eines Schülers erkennen, dass kein sonderpädagogischer Förderbedarf mehr besteht, hebt die Schulaufsichtsbehörde die Verpflichtung zum Besuch der Förderschule auf. Dieser Sachverhalt lässt den Wechsel einer Schülerin oder eines Schülers von der Förderschule auf eine andere allgemeinbildende Schule zu. Außerdem besteht auch die Möglichkeit, die Förderschule zu verlassen und den Unterricht als genehmigte Einzelintegration fortzusetzen.

Weitergehende Informationen finden Sie im § 16 der Schulordnung Förderschulen (SOFS).

Entwicklung der Förderschwerpunkte

Das Balkendiagramm zeigt die Anteile der Schülerzahl an Förderschulen und der Einzelintegrationen je Förderschwerpunkt. In den Bereichen Lernen und geistige Entwicklung lernen über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen.

Wird die Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die Förderschwerpunkte, unabhängig ob eine Förderschule besucht wird oder ob es sich um Einzelintegrationen handelt, betrachtet, sind im Förderschwerpunkt »Lernen « (41,0 Prozent) mit Abstand die meisten Schülerinnen und Schüler vertreten. Die Förderschwerpunkte »Emotionale und soziale Entwicklung« und »Geistige Entwicklung« folgen danach mit 20,8 bzw. 15,4 Prozent vor dem Förderschwerpunkt »Sprache« mit 13,3 Prozent. Während der Anteil des stark besetzten Förderschwerpunktes »Lernen« seit dem Schuljahr 2011/2012 um 6,6 Prozentpunkte zurückging, erhöhte sich der Anteil für den Förderschwerpunkt »Emotionale und soziale Entwicklung« deutlich um 5,8 Prozentpunkte. Hier ist vor allem ein Anstieg bei den Einzelintegrationen (um 2 621 Schülerinnen und Schüler bzw. 6,5 Prozentpunkte) auf 4 813 Schülerinnen und Schüler zu verzeichnen. Im Förderschwerpunkt »Sprache« ist zahlenmäßig ein Anstieg um 899 Schülerinnen und Schüler zu verzeichnen, der sich ausschließlich durch die Entwicklung bei den Einzelintegrationen ergibt.

Auf Grund des besonderen Förderbedarfs bzw. spezieller Voraussetzungen für die Unterrichtung der Schülerinnen und Schüler werden in den Förderschwerpunkten »Lernen« und »Geistige Entwicklung« über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Förderschulen unterrichtet. In den Förderschwerpunkten »Körperliche und motorische Entwicklung«, »Sprache«, »Sehen« und »Hören« lernen mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Einzelintegration an Regelschulen. Der Förderschwerpunkt »Emotionale und soziale Entwicklung« ist mit 77 Prozent der Spitzenreiter bei den Einzelintegrationen.

Unterschiede im sonderpädagogischen Förderbedarf nach Schul- und Klassenstufen

Das Säulendiagramm zeigt die prozentuale Verteilung der Schülerinnen und Schüler je Förderschwerpunkt auf die einzelnen Klassenstufen. Im Förderschwerpunkt Sprache sind die meisten Einzelintegrationen in den Klassenstufen 1 bis 3.

Die Mehrzahl (47,2 Prozent) der integrierten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird im Primarbereich unterrichtet. Im Schuljahr 2020/2021 sind 5 163 Schülerinnen und Schüler an Grundschulen, 4 674 an Oberschulen und 1 000 Schülerinnen und Schüler an Gymnasien integriert. In den Klassenstufen 1-4 an Grundschulen liegt die Einzelintegrationsquote zwischen 3,1 und 4,0 Prozent, wobei der Spitzenwert in der Klassenstufe 3 zu verzeichnen ist. An den weiterführenden Schulen verringert sich die Zahl an Einzelintegrationen mit steigendem Alter. Die Besuchsquote von Einzelintegrationen nimmt in den höheren Klassenstufen ab. An den Oberschulen beträgt sie in den Klassenstufen 5-10 zwischen 1,4 und 4,7 und an den Gymnasien zwischen 0,7 und 1,2 Prozent. Auch die Förderschwerpunkte verändern sich mit zunehmendem Alter der Schülerinnen und Schüler. In den Grundschulklassen erhalten die meisten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf Unterstützung im Förderschwerpunkt »Sprache«. Ab den Klassenstufen 3 und 4 gewinnt der Förderschwerpunkt »Emotionale und soziale Entwicklung« an Bedeutung. Während 36,5 Prozent der integrierten Schülerinnen und Schüler in Klasse 3 und 4 in diesem Förderschwerpunkt Hilfe erhalten, sind es in den Klassen 5 und 6 etwas über die Hälfte (52,9 Prozent) der Einzelintegrationen. In den Klassen 8 und 9 liegt der Anteil sogar bei 57,4 Prozent. Dabei sind deutliche Unterschiede zwischen den Schularten zu erkennen. An den Gymnasien liegt der Anteil der Einzelintegrationen im Förderschwerpunkt »Emotionale und soziale Entwicklung« in den Klassenstufen 8 und 9 bei 45,7 Prozent und an den Oberschulen bei 59,8 Prozent. Spitzenreiter ist die Klassenstufe  8 an den Oberschulen mit einem Anteil von 61,1 Prozent.

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