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2. Sächsische Wanderungsanalyse

Schematische Darstellung der Wanderungsströme

Schematische Darstellung der Wanderungsströme
(© Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen)

Der demografische Wandel geht allmählich vonstatten. Tiefgreifende Veränderungen im Bevölkerungsbestand und in der Bevölkerungsstruktur werden erst über längere Zeiträume sichtbar. Die im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei vom Statistischen Landesamt 2016 durchgeführte 2. Sächsische Wanderungsanalyse nimmt das Thema unter dem Blickwinkel des Wanderungsgeschehens genauer unter die Lupe.

Bereits Anfang der 2000er Jahre wurden in der „1. Sächsischen Wanderungsanalyse“ im Auftrag der Stiftung Innovation und Arbeit ehemalige sächsische Bürgerinnen und Bürgern befragt, die in ein anderes Bundesland gezogen waren. Dieses Projekt stand damals unter dem Vorzeichen, dass seit der „Wende“ im Jahr 1989 eine große Zahl von Menschen aus Ostdeutschland und damit auch aus Sachsen in die alten Bundesländer umgezogen war.

Vor dem Hintergrund eines seit dem Jahr 2011 positiven Wanderungssaldos für den Freistaat Sachsen kehrt sich die Fragestellung in der „2. Sächsischen Wanderungsanalyse“ um. Es geht nicht mehr um Fortzugsmotive, sondern um Zuzugs- und Bleibemotive. Dafür wurden Befragungen bei zwei für das aktuelle und zukünftige Wanderungsgeschehen besonders relevanten Bevölkerungsgruppen durchgeführt: bei den 16- bis 19-jährigen „Jungen Sachsen“ sowie bei den im Zeitraum 2010 bis 2015 „Nach Sachsen Zugezogenen“ 20- bis 64-Jährigen. Die Befragungsergebnisse geben dabei einen vertiefenden Einblick in die Motivlage dieser beiden Bevölkerungsgruppen.

Die „2. Sächsische Wanderungsanalyse“ bietet die Einordnung der Befragungsergebnisse in die langfristige Entwicklung des Wanderungsgeschehens des Freistaates, insbesondere der aktuellen Entwicklung der Jahre 2011 bis 2015. Darüber hinaus wurden anhand der Ergebnisse der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung die Auswirkungen der Wanderungen auf die voraussichtliche zukünftige Entwicklung beispielhaft dargestellt. Neben den Ergebnissen der amtlichen Wanderungsstatistik wurden auch Ergebnisse des Zensus 2011 genutzt. Die Auswertungen der Wanderungsstatistik erfolgten auf der Grundlage demografisch und regional differenzierter langer Zeitreihen sowie auf der Grundlage von Daten nach Geburtsjahrgängen (Kohorten). Neue Erkenntnisse konnten durch Analyse des Informationspotentials der Einzeldaten der Wanderungsstatistik und der Ergebnisse des Zensus 2011 gewonnen werden.

Ziel der „2. Sächsischen Wanderungsanalyse“ war es, fundierte Aufschlüsse über die aktuellen Wanderungsströme des Freistaates Sachsen und damit zum Wanderungsverhalten der Bevölkerung zu erhalten. Dies erfolgt in tiefer regionaler Gliederung. Die Wanderung von Asyl- und Schutzsuchenden war kein Untersuchungsgegenstand, da vor und zum Projektbeginn die Entwicklung der Zuzüge von Schutzsuchenden nicht vorhersehbar war. Asyl- und Schutzsuchende zählen zur ausländischen Bevölkerung, wenn sie melderechtlich registriert sind. Im Ergebnisbericht liegt der Betrachtungsschwerpunkt daher auf der deutschen Bevölkerung.

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Ausgewählte Ergebnisse

Wanderungen in Sachsen – Einordnung in den historischen Kontext

Aus historischer Sicht ist Sachsens Bevölkerungsentwicklung seit mehreren Generationen durch einen vergleichsweise geringen Einfluss der Wanderungsaktivitäten gekennzeichnet, bei denen meist die Fortzüge überwogen. Wanderungsgewinne traten nur zeitlich und räumlich begrenzt auf.

Umbrüche der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen führten aber zu außergewöhnlichen Veränderungen bei der Zahl der Zuzüge oder der Zahl der Fortzüge.

So veränderten sich Ende der 1990er Jahre die Wanderungsmuster und die Intensität der Wanderungen in kürzester Frist. Die Fortzugsraten aus Sachsen vervielfachten sich. Insgesamt zogen in den beiden Jahren 1989 und 1990 rund 212 000 Deutsche aus Sachsen in das damalige bzw. das frühere Bundesgebiet und knapp 8 000 Deutsche zogen von dort nach Sachsen zu.

Auch 1991 und 1992 kam es noch zu massiver Abwanderung in das frühere Bundesgebiet und Berlin, die beinahe alle Jahrgänge im erwerbsfähigen Alter und auf Grund der damaligen Familienstrukturen auch viele Kinder und Jugendliche betraf. Ab Mitte der 1990er Jahre lag der Schwerpunkt der Wanderungsverluste bei der Bevölkerung im Ausbildungsalter. Für die stark besetzten Geburtsjahrgänge der damals 16- bis 19-Jährigen waren nicht genügend Ausbildungsplätze und Perspektiven in Sachsen vorhanden. Der ausschlaggebende Faktor des Wanderungsgeschehens Mitte der 1990er Jahre war aber der Wanderungsaustausch mit dem Ausland, maßgeblich geprägt durch Zuzüge von Spätaussiedlern und Bürgerkriegsflüchtlingen. Von 1993 bis 1997 war der Wanderungsgewinn Sachsens gegenüber dem Ausland sogar größer als der Wanderungsverlust gegenüber dem Bundesgebiet.

Ab etwa 1998 verschlechterte sich in Sachsen im Vergleich zum früheren Bundesgebiet die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die damit einhergehende höhere Zahl der Fortzüge führte zu verstärkten Wanderungsverlusten nicht nur bei den 16- bis 19-jährigen Jugendlichen. Die Fortzugsraten stiegen auch bei den 20- bis 49-Jährigen. Nach 2001 war wieder ein allgemeiner Rückgang der Fortzüge in das frühere Bundesgebiet zu beobachten. Der Wanderungsverlust konzentrierte sich wieder stärker auf das Ausbildungs- und das Berufseinstiegsalter. Der Wanderungsaustausch mit dem Ausland spielte zu Beginn der 2000er Jahre eine immer geringere Rolle in der Wanderungsbilanz des Freistaates Sachsen.

Das änderte sich 2011 deutlich. Die Zahl der Zuzüge aus dem Ausland stieg wegen der Asyl- und Schutzsuchenden aus internationalen Krisengebieten, aber auch wegen der geänderten Rahmenbedingungen für Arbeitsmigranten aus den neuen EU-Staaten, massiv an und entwickelte sich bis 2015 zur Haupteinflussgröße des Wanderungsgeschehens.

Aber auch beim Wanderungsaustausch mit dem früheren Bundesgebiet und Berlin zeigten sich nach 2011 deutliche Änderungen der Wanderungsmuster. Die Zahl der Fortzüge in das Bundesgebiet war 2014 auf dem niedrigsten Stand seit 1991. Gleichzeitig war die Zahl der Zuzüge aus dem Bundesgebiet auf dem bislang höchsten Niveau. Demzufolge konnte Sachsen 2012 erstmals Wanderungsgewinne gegenüber dem Bundesgebiet verbuchen.

Wanderungen 2011 bis 2015 – neue Konstellation des Wanderungsgeschehens

Die aktuelle Entwicklung der Wanderungsströme weist, unabhängig von der historisch hohen Zahl der zugezogenen Asyl- und Schutzsuchenden, auf eine neue Konstellation im Wanderungsgeschehen des Freistaates Sachsen hin. Die nach 1989 beobachtete drastische Veränderung im Wanderungsverhalten, die durch eine massive Abwanderung insbesondere in die westlichen Bundesländer gekennzeichnet war, ist als Reaktion auf den gesellschaftlichen Umbruch in Deutschland entstanden. Diese besondere geschichtliche Situation beeinflusste das Wanderungsverhalten der Bevölkerung über einen Zeitraum von 20 Jahren. Erst seit etwa fünf Jahren gestaltet sich in Sachsen der Wanderungsaustausch mit den anderen Bundesländern auf eine allgemein übliche Weise

Seit 2013 wurden gegenüber dem früheren Bundesgebiet und Berlin Wanderungsgewinne bei der deutschen Bevölkerung verzeichnet. Darüber hinaus stabilisierten sich die Wanderungsgewinne bei den EU-Staatsangehörigen.

Der positive Wanderungssaldo der deutschen Bevölkerung resultiert aus der Tatsache, dass die Zahl der aus Sachsen Fortgezogenen seit einigen Jahren deutlich sinkt, während die Zahl der Zugezogenen aus dem Bundesgebiet seit 2011 auf dem höchsten bislang beobachteten Niveau relativ stabil ist.

Der Rückgang der Fortzüge von Deutschen 2011 bis 2015 wird durch die anhaltend rückläufige Zahl der Fortzüge in das frühere Bundesgebiet und Berlin dominiert. Die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen hat den größten Anteil am Rückgang der Fortzüge. Gleichzeitig war die innersächsische Mobilität dieser Altersgruppe auf dem höchsten je beobachteten Niveau.

Besonders umfassende Veränderungen zeigten sich in den letzten Jahren auch bei den Wanderungen der Bevölkerung im Ausbildungsalter. Der Anteil der aus Sachsen fortgezogenen 16- bis 19-Jährigen an der Gesamtzahl aller Fortzüge dieser Altersgruppe ist kontinuierlich gesunken. Vor 25 Jahren verließen noch rund 75 Prozent der fortziehenden Deutschen dieser Altersgruppe den Freistaat und 25 Prozent blieben in Sachsen. Im Jahr 2015 zogen nur noch 27 Prozent aller fortziehenden 16- bis 19-Jährigen in ein anderes Bundesland oder das Ausland, 73 Prozent der Fortziehenden blieben dagegen in Sachsen. Obwohl die Bevölkerungszahl dieser Altersgruppe von 1991 bis 2015 um über 40 Prozent gesunken ist, wurden 2015 knapp doppelt so viele Binnenfortzüge von 16- bis 19-Jährigen gezählt wie 1991.

Daraus kann abgeleitet werden, dass bei einem Teil der Jugendlichen hat eine Verhaltensänderung stattgefunden hat. In der 2016 durchgeführten Befragung bei „Jungen Sachsen“ konnten die Hintergründe dieser Entwicklung erörtert werden.

„Junge Sachsen“ bleiben, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, in Sachsen

Die Ergebnisse der Befragung bei den 16- bis 19-Jährigen zeigen, dass die Verbesserung der Chancen auf dem sächsischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einen Großteil der „Jungen Sachsen“ optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Sie treffen ihre Entscheidung, ob sie ihre persönlichen Lebensziele in Sachsen verwirklichen oder ihre Vorstellungen und Wünsche außerhalb Sachsens realisieren wollen, auf der Grundlage einer hohen Zufriedenheit mit ihrem Leben im Freistaat.

Mehr als drei Viertel der sachsenweit befragten Jugendlichen sind mit ihrem Leben „vollkommen“ oder „eher zufrieden“. Die jungen Männer sind dabei deutlich zufriedener (81,8 Prozent) als die jungen Frauen (74,1 Prozent). Ein stabiles soziales Lebensumfeld aus Eltern und Freunden sowie eine feste Bindung an die Heimatregion tragen dazu bei, dass sich nahezu 80 Prozent der Jugendlichen in Sachsen wohl fühlen.

Für die meisten „Jungen Sachsen“ ist eine gute sowie vielseitige Bildung und Ausbildung wichtig. Sie wünschen sich einen Beruf mit selbstbestimmten, nützlichen und erfüllenden Tätigkeiten. Der Arbeitsplatz soll sicher sein. Ein hohes Einkommen oder die eigene Karriere haben hingegen einen geringeren Stellenwert für viele 16- bis 19-Jährige.

Ihre Erwartungen an eine gute Ausbildung und einen erfolgreichen Berufseinstieg sehen vor allem Auszubildende in Sachsen weitestgehend als erfüllbar an. Nahezu drei Viertel von ihnen schätzen ihre beruflichen Möglichkeiten in Sachsen zuversichtlich ein. Die Befunde der Befragung deuten jedoch auch darauf hin, dass bei den Jugendlichen mit höherem schulischen Abschluss die Bewertung der beruflichen Zukunft kritischer ausfällt. Die Wahrnehmung nicht entsprechender Studienmöglichkeiten und Arbeitsplatzperspektiven führen insbesondere bei qualifizierten jungen Menschen dazu, dass sie die Möglichkeit in Betracht ziehen, ihre persönlichen Ziele außerhalb von Sachsen zu realisieren. Rund 29 Prozent der befragten „Jungen Sachsen“, insbesondere Abiturienten und Studenten, würden für bessere berufliche Zukunftsaussichten den Freistaat verlassen.

Die Befragungsergebnisse machen darüber hinaus deutlich, dass die „Jungen Sachsen“ die Möglichkeiten von Infrastruktur und Freizeitangeboten vor Ort wenig zufriedenstellend bewerten. Rund 70 Prozent der 16- bis 19-Jährigen, die bereits Vorstellungen über ihren künftigen Wohnort haben, würden diesen in einer Großstadt, hauptsächlich in Leipzig oder Dresden, wählen. Die Unzufriedenheit mit der lokalen Infrastruktur und den Freizeitmöglichkeiten vor Ort, insbesondere in Gemeinden unter 100 000 Einwohnern, könnte dazu führen, dass „Junge Sachsen“, wenn sie konkrete Vorstellungen über einen kurz- oder langfristigen Wohnortwechsel innerhalb Sachsens haben, zu mehr als 70 Prozent einen Wohnort in einer Großstadt anstreben.

Insgesamt wird deutlich, dass die optimistische Bewertung der beruflichen Chancen, vor allem bei den Auszubildenden, die Abwanderung „Junger Sachsen“ auf dem gegenwärtigen geringen Niveau nachhaltig verharren, möglicherweise sogar noch weiter sinken lassen könnte.

Zuzüge nach Sachsen 2011 bis 2015

Von den 2011 bis 2015 insgesamt 442 000 registrierten Zuzügen nach Sachsen waren 251 000 Deutsche und 191 000 Nichtdeutsche. Knapp ein Drittel der zugezogenen Nichtdeutschen ist der Gruppe der Asyl- und Schutzsuchenden zuzuordnen. Aus den anderen EU-Staaten zogen 61 000 Nichtdeutsche nach Sachsen, ein Drittel davon waren Polen und Tschechen.

Knapp 43 Prozent der im Zeitraum 2011 bis 2015 zugezogenen Deutschen waren im Alter von 20 bis 29 Jahren, ein Viertel war 30 bis 49 Jahre alt.

Über die Hälfte aller Zuzüge von Deutschen nach Sachsen 2011 bis 2015 kam aus den angrenzenden Bundesländern. Den größten Anteil an allen Zuzügen von Deutschen aus dem Bundesgebiet hatte der Freistaat Bayern mit 15,1 Prozent, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 14,3 bzw. 13,1 Prozent.

Arbeit, Bildung und Familie sind die Hauptgründe für Zuzug nach Sachsen

Die Zuzüge nach Sachsen unterteilen sich in drei Gruppen (ohne Berücksichtigung der Asyl- und Schutzsuchenden): Arbeits-, Bildungs- und Familienmigranten. Das konnte im Ergebnis einer flächendeckenden freiwilligen Befragung von 5 892 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren, die 2010 bis 2015 nach Sachsen zugezogen waren, festgestellt werden.

Eine Unterscheidung der Zugezogenen wurde an Hand der von den Befragten angegebenen wichtigsten Zuzugsgründe vorgenommen. Die anteilmäßig stärkste Zuwanderungsgruppe bilden die Arbeitsmigranten mit 54,6 Prozent, gefolgt von den Bildungsmigranten mit 33,5 Prozent. Rund 12 Prozent können den Familienmigranten zugeordnet werden.

Die „Nach Sachsen Zugezogenen“ sind mit durchschnittlich 33,9 Jahren deutlich jünger als die sächsische Bevölkerung. Bestimmend dafür sind die jungen Bildungsmigranten mit einem Durchschnittsalter von 25,8 Jahren. Arbeitsmigranten sind durchschnittlich 36,8 Jahre alt und Familienmigranten 43,5 Jahre. Von den deutschen Familienmigranten sind 25,6 Prozent Ruheständler.

Das Bildungsniveau der Zugezogenen liegt deutlich über dem der sächsischen Bevölkerung insgesamt. 71,8 Prozent der Befragten verfügten über die allgemeine Hochschulreife und 19,9 Prozent über die Mittlere Reife. Von denen, die einen beruflichen Abschluss hatten, gaben über die Hälfte an, einen Fach-oder Hochschulabschluss erworben zu haben.

Arbeitsmigranten sind vor allem im Dienstleistungsbereich beschäftigt. Lediglich 10,8 Prozent arbeiten im produzierenden oder verarbeitenden Gewerbe. Die Mehrheit (73,0 Prozent) schätzt ein, dass sich ihre berufliche Situation in Sachsen verbessert hat bzw. gleich geblieben ist. Ein Fünftel der Arbeitsmigranten ist jedoch mit der Höhe seines Einkommens unzufrieden.

Der Strom der Bildungsmigranten ist maßgeblich durch Studenten geprägt. Vor allem der gute Ruf der Universitäten, Studiengänge oder der Berufsausbildungsmöglichkeiten, aber auch die günstigen Lebensbedingungen in Sachsen sind zentrale Zuzugsgründe der Bildungsmigranten. Für Auszubildende war darüber hinaus die Aussicht auf eine anschließende Arbeitsaufnahme in Sachsen wichtig.

Familienmigranten sind neben den sächsischen Rückkehrern vor allem nachziehende Familienangehörige. Nahezu 30 Prozent der Familienmigranten sind Nichtdeutsche, häufig junge Frauen.

Rückkehrer nach Sachsen

Einer von vier Zugezogenen wurde ursprünglich in Sachsen geboren und kehrte nun wieder in den Freistaat zurück. Die Mehrheit von ihnen (73,9 Prozent) sind Arbeitsmigranten. Nahezu 15 Prozent sind Familienmigranten und 11 Prozent der sächsischen Rückkehrer sind Bildungsmigranten.

Unter den deutschen Arbeitsmigranten beträgt der Anteil der sächsischen Rückkehrer 37,0 Prozent. Bei den deutschen Familienmigranten sind es 41 Prozent. Unter den deutschen Bildungsmigranten sind nur 9,4 Prozent sächsische Rückkehrer.

Von den sächsischen Rückkehrern, die berufliche Veränderungen als den wichtigsten Grund für ihren Zuzug genannt haben, hatten über die Hälfte keine konkreten Erwartungen an ihre berufliche Situation. Ihre wichtigsten Motive für die Zuwanderung waren die größere Nähe zu Familienangehörigen, Freunden und Bekannten sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Daher ist wohl der Anteil derer, die einschätzen, dass sich ihre berufliche Situation verschlechtert hat mit 26,0 Prozent höher als im Durchschnitt aller Arbeitsmigranten. Bei den weiblichen Rückkehrern fällt diese Einschätzung besonders hoch aus. Rund 37 Prozent der sächsischen Rückkehrer schätzen ein, dass sich ihr Haushaltseinkommen in Sachsen etwas oder sogar stark verschlechtert hat – deutlich mehr als bei den übrigen Arbeitsmigranten (rund 24 Prozent).

Willkommenserfahrung der „Nach Sachsen Zugezogenen“

Die „Nach Sachsen Zugezogenen“ fühlen sich im Allgemeinen in Sachsen willkommen. Arbeitsmigranten gaben zu 72,8 Prozent an, dass sie sich bei ihren Kollegen willkommen fühlen. Von den Bildungsmigranten hatten 85,7 Prozent das Gefühl, bei ihren Kommilitonen bzw. Mitschülern willkommen zu sein. Jedoch fühlt sich ein deutlich geringerer Teil der Zugezogenen (36 Prozent) in Verbänden oder Vereinen willkommen.

Nach ihrer Erfahrung befragt, in Sachsen schon einmal aufgrund der Herkunft benachteiligt worden zu sein, bestätigten 14 Prozent der Zugezogenen diese Erfahrung. Von den nichtdeutschen Zugezogenen gaben 40,6 Prozent an, bereits öfter diese Erfahrung der Benachteiligung gemacht zu haben. Das betrifft sowohl Arbeits-, Bildungs- wie auch Familienmigranten. Am häufigsten fühlten sich die Betroffenen wegen der Sprache, der Nationalität und des Äußeren benachteiligt. 62,3 Prozent der Betroffenen haben die Benachteiligung im Alltag erfahren, rund 26 Prozent am Arbeitsplatz, rund 24 Prozent bei der Arbeitsplatzsuche und ebenso 24 Prozent bei Ämtern und Behörden.

Die Mehrheit der „Nach Sachsen Zugezogenen“ (73,7 Prozent) gibt an, mit dem Leben in Sachsen zufrieden zu sein. Lediglich 6,2 Prozent der Zugezogenen ist mit der aktuellen Lebenssituation in Sachsen unzufrieden.

Rund 25 Prozent aller Befragten gab an, in Sachsen auch künftig bleiben zu wollen. Für 14,9 Prozent ist das keine Option. Vor allem Familien- und Arbeitsmigranten haben zu über ein Drittel ihr künftiges Leben auf Sachsen ausgerichtet.

Die wichtigsten Gründe derer, die sich keine Zukunft in Sachsen vorstellen können, waren die eigene Heimatbindung, ein mangelndes Arbeitsplatzangebot oder ein zu niedriges Einkommen. Bei 16 Prozent der Zugezogenen hängt die Entscheidung vom Partner ab.

Struktur der sächsischen Bevölkerung als Ergebnis des Wanderungsgeschehens

Die seit mehreren Generationen bestehenden Wanderungsmuster hatten einen deutlichen Einfluss auf die Altersstruktur und die regionale Verteilung der Bevölkerung. Sachsens Bevölkerung zählt seit Langem zu einer der ältesten in Deutschland.

In den letzten 25 Jahren, das heißt im Zeitraum 1991 bis 2015, ist die Bevölkerungsstruktur durch die niedrigen Geburtenraten zu Beginn der 1990er Jahre und durch die starke Abwanderung in das frühere Bundesgebiet und Berlin beeinflusst worden. So ist die deutsche Bevölkerung der Geburtsjahrgänge 1977 bis 1981 in den letzten 25 Jahren allein durch Wanderungsverluste jeweils um rund 20 Prozent geschrumpft.

Die regional differenzierten Wanderungsmuster bewirkten eine Veränderung der regionalen Verteilung der Bevölkerung in Sachsen. Das wird besonders deutlich bei den Hauptakteuren der Wanderung in den letzten 25 Jahren, den im Jahr 2015 30- bis 49-jährigen Deutschen (Geburtsjahre 1966 bis 1985). Landesweit verringerte sich der Bestand dieser Geburtsjahreskohorten im Zeitraum 1991 bis 2015 um 17 Prozent. In den Landkreisen betrug der Rückgang im gleichen Zeitraum zwischen 8 und 41 Prozent. Dagegen ist in den Kreisfreien Städten Dresden und Leipzig diese Zahl um etwa 10 Prozent gestiegen.

Auswertungen der Ergebnisse des Zensus 2011 zum Geburtsort der sächsischen Einwohner zeigen, dass rund 81 Prozent der sächsischen Bevölkerung auch in Sachsen geboren wurden. Der Anteil der nach Sachsen zugewanderten Personen mit einem Geburtsort außerhalb der sächsischen Landesgrenze beträgt weniger als ein Fünftel.

Die große Mehrheit der in Sachsen geborenen Einwohner hat eine starke regionale Bindung an den Geburtsort. Rund 17 Prozent von denen, die 16 Jahre oder älter sind, leben ohne Unterbrechung in ihrem Geburtsort. Beinahe die Hälfte hat zwar den Geburtsort verlassen, ist aber dorthin oder in eine Gemeinde im Umkreis von 20 Kilometern zurückgekehrt.

Je kleiner eine sächsische Gemeinde ist, umso höher ist der Anteil der in Sachsen geborenen Einwohner. Vor allem im Erzgebirgskreis und in den sorbischen Gemeinden des Landkreises Bautzen beträgt der Anteil mehr als 90 Prozent und ist dort sachsenweit am höchsten.

Lediglich in 62 Gemeinden des Freistaates (15 Prozent) ist der Anteil der in Sachsen geborenen Einwohner geringer als im Durchschnitt aller Gemeinden. Diese liegen vorwiegend an der Landesgrenze zu den anderen Bundesländern bzw. der Grenze zur Republik Polen oder sie zählen zu den sächsischen Großstädten mit Hochschul- oder Industriestandorten sowie zu den ehemaligen Militärstandorten.

Marginalspalte

Strukturinformationen

2011 bis 2015 Wanderungsgewinn für Sachsen

  • 17 625 Deutsche

251 151 Zuzüge

233 526 Fortzüge

  • 81 682 Nichtdeutsche

190 725 Zuzüge

109 043 Fortzüge

2006 bis 2010 Wanderungsverlust für Sachsen

  • -43 787 Deutsche

228 510 Zuzüge

272 297 Fortzüge

  • 389 Nichtdeutsche

92 070 Zuzüge

91 681 Fortzüge

Binnenwanderung Deutscher 2011 bis 2015

Binnenfortzüge je 1 000 Einwohner

  • 25,4 insgesamt
  • 56,2 bei den 16- bis 19-Jährigen

Binnenwanderung Deutscher 2006 bis 2011

Binnenfortzüge je 1 000 Einwohner

  • 24,0 insgesamt
  • 47,1 bei den 16- bis 19-Jährigen

"Nach Sachsen Zugezogene" 2010 bis 2015

  • 54,6 Prozent Arbeitsmigranten
  • 33,5 Prozent Bildungsmigranten
  • 11,9 Prozent Familienmigranten

Sächsische Rückkehrer unter den deutschen "Nach Sachsen Zugezogenen"

  • 28,0 Prozent insgesamt
  • 37,0 Prozent der Arbeitsmigranten
  • 9,3 Prozent der Bildungsmigranten
  • 40,5 Prozent der Familienmigranten

Zukunftsabsichten „Junge Sachsen“

  • 44,6 Prozent würden in Sachsen bleiben

40,1 Prozent der Schüler

63,5 Prozent der Auszubildenden

40,6 Prozent der Studenten

  • 28,6 Prozent würden Sachsen verlassen

31,4 Prozent der Schüler

17,2 Prozent der Auszubildenden

31,9 Prozent der Studenten

Sächsische Bevölkerung          am 9. Mai 2011

  • 81 Prozent in Sachsen geboren
  • 19 Prozent außerhalb Sachsens geboren

Medieninformation

Ergebnisse der 2. Sächsischen Wanderungsanalyse - Junge Sachsen blicken optimistisch in die Zukunft

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