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Gefährdungseinschätzung

Eckdaten für Sachsen

2020
Verfahren mit folgendem Ergebnis der Gefährdungseinschätzung Anzahl Veränderung zum
Vorjahr in %
Akute Kindeswohlgefährdung 1 550 40,4
Latente Kindeswohlgefährdung 1 596 36,6
Keine Kindeswohlgefährdung, aber Hilfe-/Unterstützungsbedarf 2 724 27,5
Keine Kindeswohlgefährdung und kein Hilfe-/Unterstützungsbedarf 2 465 32,7
Verfahren insgesamt 8 335 33,0
Für akute und latente Kindeswohlgefährdungen: Verfahren nach Art der Kindeswohlgefährdung (Doppelzählungen möglich) Anzahl Veränderung zum
Vorjahr in %
Anzeichen für Vernachlässigung 2 222 35,7
Anzeichen für körperliche Misshandlung 639 62,6
Anzeichen für psychische Misshandlung 751 47,0
Anzeichen für sexuelle Gewalt 134 25,2
Verfahren insgesamt 3 146 38,5

 Letzte Aktualisierung: 11.08.2021

 

Kinder- und Jugendhilfe - Gefährdungseinschätzungen nach § 8a SGB VIII (K V 9)

Aktueller Berichtsstand: 2020
Nächster Berichtsstand: 2021, voraussichtlich verfügbar: August 2022

Statistisches Bundesamt (Destatis)

Statistikerläuterungen

Statistik zu den Gefährdungseinschätzungen

Die Statistik zu den Gefährdungseinschätzungen nach § 8a Absatz 1 SGB VIII wird im Freistaat Sachsen seit 2012 durchgeführt. Die Erhebung erstreckt sich auf alle in einem Kalenderjahr abgeschlossenen Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung (Gefährdungseinschätzungen) nach § 8a Absatz 1 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII). Sie ist eine koordinierte Länderstatistik und findet jährlich statt. Zum Berichtskreis gehören alle öffentlichen Träger der Jugendhilfe (Jugendämter).

Qualitätsberichte

Qualitätsberichte sind zu allen Bundesstatistiken und koordinierten Länderstatistiken verfügbar. Diese Berichte sind einheitlich gegliedert. Neben allgemeinen Informationen zur Statistik werden unter anderem Methodik, Genauigkeit, Aktualität, Vergleichbarkeit und Kohärenz erläutert. Als Hintergrundinformationen dienen sie einer sachgerechten Interpretation sowie dem Einschätzen der Aussagefähigkeit unserer Daten.

Rechtsgrundlagen

Akute Kindeswohlgefährdung

Eine akute Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn als Ergebnis der Gefährdungseinschätzung eine Situation zu bejahen ist, in der eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes/Jugendlichen bereits eingetreten ist oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist.

Gefährdungseinschätzungen

Um eine Gefährdungseinschätzung gemäß § 8a Absatz 1 SGB VIII handelt es sich, wenn dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt werden, es sich daraufhin einen unmittelbaren Eindruck von dem/der Minderjährigen und seinem/ihrer persönlichen Umgebung verschafft hat (z. B. durch einen Hausbesuch, den Besuch der Kindertageseinrichtung oder der Schule, der eigenen Wohnung des/der Jugendlichen oder die Einbestellung der Eltern ins Jugendamt) und die Einschätzung des Gefährdungsrisikos anschließend im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte erfolgt ist.

Jugendliche bzw. Jugendlicher

Jugendlicher ist, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist.

Kind

Kind ist, wer noch nicht 14 Jahre alt ist.

Körperliche Misshandlung

Zu körperlicher Misshandlung zählen Handlungen der Eltern oder anderer Betreuungspersonen, die durch Anwendung von körperlichem Zwang oder Gewalt vorhersehbar erhebliche physische oder seelische Beeinträchtigungen des jungen Menschen und seiner Entwicklung zur Folge haben können.

Latente Kindeswohlgefährdung

Von einer latenten Kindeswohlgefährdung ist auszugehen, wenn die Frage nach der gegenwärtigen tatsächlich bestehenden Gefahr nicht eindeutig beantwortet werden kann, aber der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung besteht bzw. eine Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann.

Wird im Zuge der Gefährdungseinschätzung eine Kindeswohlgefährdung zwar ausgeschlossen, aber weiterer bzw. anderweitiger Unterstützungsbedarf festgestellt, wird das festgehalten.

Psychische Misshandlung

Psychische Misshandlung umfasst feindselige, abweisende oder ignorierende Verhaltensweisen der Eltern oder anderer Bezugspersonen sofern sie fester Bestandteil der Erziehung sind. Dazu gehört z. B. die feindselige Ablehnung des Kindes, das Anhalten/Zwingen des Kindes zu strafbarem Verhalten, das Isolieren des Kindes vor sozialen Kontakten oder das Verweigern von emotionaler Zuwendung. Eine weitere Fallgruppe der psychischen Misshandlung sind Minderjährige, die wiederholt massive Formen der Partnergewalt in der Familie erleben oder eine gezielte Entfremdung von einem Elternteil erfahren.

Sexuelle Gewalt

Unter sexuelle Gewalt fallen Straftaten gegenüber Kindern und Jugendlichen, die gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verstoßen und damit negative Auswirkungen auf die Entwicklungsverläufe des/der Minderjährigen zur Folge haben können. Strafbar sind alle sexuellen Handlungen, die an oder vor einem Kind/Jugendlichen vorgenommen werden, unabhängig vom Verhalten oder einer eventuell aktiven Beteiligung des jungen Menschen.

Tätigwerden des Familiengerichts

Hält das Jugendamt das Tätigwerden des Familiengerichts für erforderlich, so hat es dieses anzurufen (§ 8a Absatz 2 SGB VIII). Notwendig wird dies z. B. dann, wenn die Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, die Gefahr für das Kind abzuwenden (z. B. indem sie angebotene Hilfen ablehnen) oder wenn die Gefährdung nicht ohne Eingriff in das elterliche Sorgerecht abgewendet werden kann.

Vernachlässigung

Unter Vernachlässigung versteht man die anhaltende oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns der sorgeverantwortlichen Personen (Eltern oder andere Betreuungspersonen). Vernachlässigung kann auf erzieherischer oder körperlicher Ebene erfolgen, z. B. fehlende erzieherische Einflussnahme bei unregelmäßigem Schulbesuch oder unzureichende Pflege und Versorgung des Kindes z. B. mit Nahrung, sauberer Kleidung oder Hygiene.

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