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Corona Spezial: Todesursachen in Sachsen

Letzte Aktualisierung: 14.02.2022

Todesursache COVID-19 nach demografischen und regionalen Aspekten

Ausgewählte Todesursachen

Die Balkengrafik verdeutlicht den prozentualen Anteil ausgewählter Todesursachen 2020 für Sachsen und Deutschland. Der Anteil der an COVID-19 Gestorbenen war fast doppelt so hoch wie für Deutschland.

Von den 62 092 Sterbefällen in Sachsen im Jahr 2020 hatten 4 991 Fälle COVID-19 als ursächliche Todesursache. Damit war für 8 Prozent der Gestorbenen COVID-19 als Grundleiden erfasst worden. Für Deutschland insgesamt wurde bei 4 Prozent der Gestorbenen COVID-19 als ausschlaggebende Todesursache angegeben. Damit war 2020 der Anteil der an COVID-19 Verstorbenen in Sachsen doppelt so hoch wie für Deutschland insgesamt.

COVID-19 Verstorbene nach Sterbemonaten

Die Linien zeigen die Gestorbenen 2020 und 2021 nach Sterbemonaten. Die Balken stellen die Zahl der an COVID-19 Gestorbenen dar. Die Entwicklung der Sterbefälle von November 2020 bis Januar 2021 wird stark von den an COVID-19 Gestorbenen bestimmt.

Der Anteil der Gestorbenen aufgrund der ursächlichen Todesursache COVID-19 schwankt dabei saisonal, regional sowie nach Altersgruppen und Geschlecht. Während bis September 2020 – mit Ausnahme des Monats April mit einem Anteil von 2,9 Prozent – der Anteil der an COVID-19 Verstorbenen an allen Sterbefällen eher gering war, stieg er von 3,6 Prozent im Oktober 2020 auf 35,1 Prozent im Dezember 2020 an. Auch für den Januar 2021 konnte nach vorläufigen Zahlen mit 31,0 Prozent ein hoher Anteil von COVID-19 als Todesursache festgestellt werden. Sowohl der Lockdown als auch die beginnenden Impfungen können dazu geführt haben, dass COVID-19 als Grundleiden für den Tod ab Februar 2021 deutlich zurückging, aber mit durchschnittlich 13 Prozent in den Monaten Februar bis Mai immer noch sehr hoch war. Im ersten Halbjahr 2021 wurden damit bereits mehr Gestorbene an COVID-19 gemeldet als im gesamten Jahr 2020.

Die Balkengrafik stellt die Zahl der an COVID-19 Gestorbenen 2020 und im ersten Halbjahr 2021 nach Altersgruppen und Sterbemonaten dar. Für den Dezember 2020 wurden mit fast 3 500 Personen die meisten COVID-19 Gestorbenen gezählt.

Bei der Betrachtung nach Altersgruppen zeigt sich, dass im Jahr 2020 für fast jeden 10. gestorbenen Hochbetagten im Alter von 80 Jahren und älter COVID-19 zum Tod führte. So wurde 2020 für die 80- bis unter 85-jährigen Verstorbenen bei 10,1 Prozent und für die 85-jährigen und älteren Verstorbenen bei 9,4 Prozent COVID-19 als ursächliche Todesursache erfasst. Die höhere Betroffenheit der hochbetagten Gestorbenen durch COVID-19 zeigt sich auch im durchschnittlichen Sterbealter. Lag das durchschnittliche Sterbealter in Sachsen 2020 bei 80,5 Jahren, so betrug es für die vorrangig an COVID-19 Gestorbenen 83,9 Jahre.

Die für das 1. Halbjahr 2021 vorliegenden vorläufigen Ergebnisse verdeutlichen, dass die Zahl der Gestorbenen an COVID-19 in allen Altersgruppen bereits die Zahl des Gesamtjahres 2020 übersteigt bzw. erreicht. Nur für die Altersgruppe der 85-Jährigen und Älteren liegt die Zahl noch unter der von 2020. Das durchschnittliche Sterbealter für die an COVID-19 Gestorbenen lag bei 81,3 Jahren und war damit um rund 2,6 Jahre niedriger als im Gesamtjahr 2020. Ursache war hierfür der gegenüber 2020 höhere Anteil der Gestorbenen an COVID-19 in jüngeren Altersjahren.

 

COVID-19 Verstorbene nach Altersgruppen

Die Balkengrafik stellt die Zahl der an COVID-19 Gestorbenen je 100 000 Einwohner/-innen 2020 und im 1. Halbjahr 2021 nach Altersgruppen und Geschlecht dar. Es starben vorwiegend die Hochbetagten und in allen Altersgruppen mehr Männer als Frauen.

Die betrachteten Altersgruppen weisen unterschiedliche Besetzungsstärken auf. Um dies zu berücksichtigen, wird die Zahl der an COVID-19 Verstorbenen auf 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner bezogen. Auch hier lässt sich eine höhere Sterblichkeit aufgrund COVID-19 für die hochbetagten Altersgruppen feststellen. Je 100 000 Personen im Alter von 80 bis unter 85 Jahren starben 2020 rund 616 an COVID-19, bei der Altersgruppe der 85-Jährigen und Älteren sind 1 625 Personen je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner an COVID-19 verstorben. Im 1. Halbjahr 2021 lässt sich gegenüber dem Gesamtjahr 2020 ein leichter Rückgang der an COVID-19 Gestorbenen je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner in den höheren Altersgruppen feststellen. In der Altersgruppe der 80- bis unter 85-Jährigen starben 572 Personen je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner, in der Altersgruppe der 85-Jährigen und Älteren waren es 1 198 Personen. Dagegen stiegen die Sterbefälle der anderen Altersgruppen bezogen auf die Einwohnerzahl leicht an.

Weiterhin kann festgestellt werden, dass der Anteil der Gestorbenen mit COVID-19 als Todesursache bei den Männern mit 8,3 Prozent 2020 und 17,4 Prozent im 1. Halbjahr 2021 höher ist als bei Frauen (2020: 7,8 Prozent; 1. Halbjahr 2021: 14,6 Prozent). Bis auf die Altersgruppe der Hochbetagten ab 85 Jahren starben sowohl 2020 als auch im ersten Halbjahr 2021 mehr Männer als Frauen an COVID-19, obwohl es ab dem 51. Lebensjahr mehr Frauen als Männer gibt.

 

COVID-19 Verstorbene nach Kreisfreien Städten und Landkreisen

Die Balkengrafik zeigt den Anteil der an COVID-19 Gestorbenen 2020 und im 1. Halbjahr 2021 an allen Gestorbenen 2020 sowie 2021 nach Kreisen. Gegenüber 2020 hat der Anteil der COVID-19 Gestorbenen im 1. Halbjahr 2021 in allen Kreisen zugenommen

Auf der Ebene der Kreisfreien Städte und Landkreise wiesen die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (12,1 Prozent) und Görlitz (11,6 Prozent) die höchsten Anteile von Gestorbenen an COVID-19 an allen Verstorbenen auf. Demgegenüber war der Anteil der Gestorbenen mit COVID-19 als ursächliche Todesursache in der Kreisfreien Stadt Leipzig mit 2,9 Prozent im Jahr 2020 am geringsten. Im 1. Halbjahr 2021 waren die Anteile der Gestorbenen an COVID-19 bezogen auf alle Gestorbenen deutlich höher als im Jahr 2020. Der Vogtlandkreis wies dabei mit 21,1 Prozent den höchsten Anteil aus. Der niedrigste Anteil wurde in der Kreisfreien Stadt Leipzig registriert.
Analog zur gesamtsächsischen Entwicklung waren in den Kreisfreien Städten und Landkreisen die männliche Bevölkerung sowie die hochbetagten Altersgruppen am stärksten von COVID-19 als ausschlaggebender Todesursache betroffen.

Die Wellen der Corona-Pandemie in Sachsen – Entwicklung der Sterbefälle im Zeitverlauf

Bei der Betrachtung der Entwicklung der mit dem COVID-19 Virus infizierten Personen und damit auch der daran Verstorbenen im Zeitverlauf finden oftmals die Begriffe der Welle oder Phase ihre Anwendung. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurde Sachsen von 6 Phasen erfasst.

Bisherige Phasen der Covid-19 Pandemie

Die Einteilung der Phasen 1 bis 4 entsprechen denen des Artikels »Retrospektive Phaseneinteilung der COVID-19-Pandemie in Deutschland bis Februar 2021«. [1, siehe Seitenende]

Die Balkengrafik stellt die Zahl der an COVID-19 Gestorbenen 2020 und 2021 nach Phasen dar, die verschiedene Kalenderwochen umfassen. In der Phase 4 ab der 40. KW 2020 bis zur 8. KW 2021 starben rund 8 200 Personen an COVID-19.

In der Vorphase bzw. Phase 0 wurden für Sachsen keine Sterbefälle mit Todesursache COVID-19 erfasst. Die Kalenderwochen 10 bis 20 des Jahres 2020 bezeichnen die Phase 1. Für diesen Zeitraum wurden für Sachsen insgesamt 180 Gestorbene mit der Todesursache COVID-19 registriert, was einem Anteil von 3,6 Prozent der 2020 an COVID-19 verstorbenen Personen entspricht. In Phase 2 mit den Kalenderwochen 21 bis 39 des Jahres 2020 verzeichnete Sachsen mit 21 Fällen nur wenige Gestorbene aufgrund COVID-19. Mit der Kalenderwoche 40 begann die Phase 3, deren Ende auf die 8. Kalenderwoche des Jahres 2021 datiert wird. In dieser Phase nahmen die Sterbefälle aufgrund COVID-19 rasant zu und erreichten in der 52. Kalenderwoche mit 964 an COVID-19 Verstorbenen ihren Höhepunkt. Insgesamt wurden für diese Phase 8 167 Gestorbene mit ursächlicher Todesursache COVID-19 erfasst. Dabei war in den Kalenderwochen 50/2020 bis 02/2021 durchschnittlich jeder 3. Sterbefall auf COVID-19 als Todesursache zurückzuführen. Phase 4 mit 1 728 an Covid19-Gestorbenen und Phase 5 mit 222 Fällen waren von einem deutlichen Rückgang bestimmt, blieben aber stets z. T. deutlich über den jeweiligen Kalenderwerten des Jahres 2020. Mit der 41. Kalenderwoche 2021 (Phase 6) begann der Anteil der an COVID-19 Verstorbenen an allen Gestorbenen wieder anzusteigen. So verstarben in den Kalenderwochen 47 bis 50 durchschnittlich 25 Prozent aller Verstorbenen an COVID-19.

Erste Untersuchungen zu COVID-19 im Kontext aller Todesursachen für 2020

Die Balkengrafik zeigt die prozentuale Veränderung 2020 gegenüber 2019 für ausgewählte Todesursachen. Rückläufig waren Krankheiten des Atmungssystems und äußere Ursachen als Todesursache.

Die häufigste Todesursache im Jahr 2020 waren Krankheiten des Kreislaufsystems. Daran verstarben 4 von 10 bzw. insgesamt 24 612 Personen. Zweithäufigste Todesursache waren Neubildungen mit 21,6 Prozent bzw. 13 382 Sterbefällen, wobei die Todesursache bösartige Neubildungen mit 97 Prozent diese Gruppe der Todesursachen dominierte.

Dagegen nahmen Krankheiten des Atmungssystems als Todesursache ab, da aufgrund der im Jahr 2020 bestandenen Kontaktbeschränkungen beispielsweise die Ansteckung mit Grippeviren deutlich verringert wurde. Ein möglicher Einfluss der Mobilitätsbeschränkungen aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen auf die Sterbefälle aufgrund Transportmittelunfällen konnte nicht festgestellt werden, da sich deren Zahl nur um einen Fall auf 163 Sterbefälle verringerte.

Es kann vermutet werden, dass die Kontaktbeschränkungen die psychische Gesundheit beeinflussten, da beispielsweise sowohl psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen als auch vorsätzliche Selbstbeschädigungen als Todesursache 2020 im Vergleich zu 2019 zunahmen. So starben 2020 durch psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen 321 Personen, im Jahr 2019 waren es 289 Personen. Die vorsätzlichen Selbstbeschädigungen nahmen von 586 Fällen im Jahr 2019 auf 637 Fälle im Jahr 2020 zu.

Die Balkengrafik stellt den Anteil ausgewählter Begleiterkrankungen bei an COVID-19 Gestorbenen für 2020 nach Geschlecht dar. Bei Männern und Frauen waren Krankheiten des Atmungssystems oder des Kreislaufsystems die häufigsten Begleiterkrankungen.

Bei den im Jahr 2020 an COVID-19 verstorbenen Personen waren bei 78,7 Prozent Krankheiten des Atmungssystems als Begleiterkrankung festgestellt worden. Damit führte COVID-19 insbesondere für Personen zum Tod, deren Atmungssystem durch Krankheit bereits geschwächt war. Ebenfalls starken Einfluss hatten – z. T. zusätzlich zu den Erkrankungen des Atmungssystems - Krankheiten des Kreislaufsystems, die bei 69,0 Prozent der an COVID-19 Verstorbenen festgestellt wurden. Rund ein Drittel der Gestorbenen mit Todesursache COVID-19 (30,1 Prozent) hatten Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten, zu denen auch Diabetes Mellitus zählt. Etwas mehr als jeder vierte an COVID-19 Verstorbene hatte psychische oder Verhaltensstörungen als Begleiterscheinung, wobei hier die Demenz dominierend war.

Exkurs: Phaseneinteilung in Deutschland bis Februar 2021

Phase 0 (5.-9.KW 2020) definiert sich durch zufällige und wenige Fälle, die sich anschließende Phase 1 (10.-20.KW 2020) durch lokale Ausbrüche in (Alten-)Pflegeheimen. Phase 2 (21.-39.KW 2020) umfasst die Sommersaison 2020, in der lokale Ausbrüche insbesondere durch Auslandseinflüsse entstanden. Den ersten Höhepunkt bildete die Herbst- und Wintersaison 2020/2021 als Phase 3 (40.KW 2020-08.KW 2021). Die Phasen 4 (9.KW-21.KW 2021) bis 6 (ab 41.KW 2021) lehnen sich zeitlich an die Phaseneinteilung des Jahres 2020 an.

[1] Schilling J, Buda S, Fischer M, Goerlitz L, Grote U, Haas W, Hamouda O, Prahm K, Tolksdorf K: Retrospektive Phaseneinteilung der COVID-19- Pandemie in Deutschland bis Februar 2021

Epid Bull 2021;15:3 -7 | DOI 10.25646/8109

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/15_21.pdf?__blob=publicationFile

Zahlen und Fakten als Excel-Arbeitsmappe

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